![]() |
Marcel Anders Introvertiert, schüchtern und schwierig: Joe Jackson ist kein einfacher Mensch, eher ein musikalisches Genie, das seine Fans wie Kritiker immer wieder aufs Neue verblüfft mit New Wave, Pop, Soundtracks, Jazz oder klassischen Sinfonien. Jetzt wird sich der bleiche Mittvierziger zum ersten Mal untreu. Auf "Night And Day II" kehrt er zurück zum glamourösen Sound der 80er. Er ist ein Ritter von trauriger Gestalt: groß, schlacksig, mit kahlem Schädel, ungesundem Teint und hängenden, langen Armen. Im Zirkus wäre er der geborene Clown einer der nie lacht, aber andere zum Lachen oder zu einem zufriedenen Schmunzeln bringt. Nicht mit Worten oder Gesten, sondern mit seinen Songs, die unwillkürlich kleine Glücksgefühle auslösen eben, weil sie so clever, so einfühlsam und so völlig anders sind. Musik als Kunst mit Unterhaltungsgarantie. Dafür sorgt notfalls auch sein Outfit. Ein steifes, quietschgrünes Jacket mit goldenen Knöpfen. Sehr gewagt, sehr spleenig und im schreienden Gegensatz zum futuristischen Flair des Berliner Sony Centers. Aber Jackson mag es, aufzufallen. Nicht um seines Egos willen, sondern eher aus Gewohnheit. Schließlich dreht sich bei ihm alles darum, anders zu sein. Musikalisch wie privat nur nicht dem Klischee des bierseligen Briten entsprechen, nur nicht berechenbar werden, nur nicht einem Sound frönen, nur nicht zurück schauen. Eine Maxime, die ihn in den letzten 23 Jahren zu einem der wichtigsten Komponisten der Gegenwart machte auch, wenn er das gar nicht sein will. Mehr noch: Gegen den Erfolg, den Ruhm und die Medien hat er sich stets zur Wehr gesetzt mit unverhofften Stil- und Richtungswechseln, nichts sagenden Interviews oder unkommerziellen Platten. Davon hat er in den 90ern so einige veröffentlicht und sich der Geborgenheit eines reinen Klassiklabels bedient. Doch jetzt, im neuen Jahrtausend, ist alles anders. Der Alleskönner Jackson kehrt zurück in die Arena des Pop auch, wenn er das natürlich ganz anders sieht. Fotos: Alexander van Doros Weiter in KEYBOARDS 01/01... Discographie:
|
© Copyright KEYBOARDS - ein Magazin des MM-MUSIK-MEDIA-VERLAG GmbH