Björk

kylé swenson
björk
nordische mythen und sounds von rosa elefanten

Die Märchen- und Mythenwelt Islands wird bevölkert von kauzigen Kobolden und furchterregenden Dämonen; aber auch das arme Bauernmädchen, das den Prinzen erlöst und dafür die Hälfte des Königreichs gewinnt, hat in ihr seinen Platz. Mit solchen Geschichten ist Björk aufgewachsen. Als Teenager hat sie mit "Um Urnot" ein eigenes Märchen geschrieben und in einer Auflage von 100 Exemplaren selbst herausgegeben; und noch heute greift sie auf nordische Gruselgeschichten zurück, wenn sie etwa die Urfassungen ihrer Songs als "grüne haarige Gnome" bezeichnet.

Ihr drittes, in Südspanien aufgenommenes Sololabum "Homogenic" klingt so dunkel, als sei es "auf dem Meeresgrund" entstanden. Aber Björk versichert, es sei "voll von Hoffnung"; und in der Tat wirken die Songs, als seien sie gerade im Begriff, nach oben zu schweben, hinauf an Luft und Licht. Den Opener bildet "Hunter", mit Military-Snare-Wirbeln ganz rechts, sanften Streicherklängen vom Icelandic String Octet, langgezogenen Tönen eines rückwärts geloopten Akkordeons und Björks emotionalem Bekenntnis: "I thought I could organise freedom. How Scandinavian of me!" Sie ist sowas wie Pippi Langstrumpf der populären Musik, mädchenhaft und unverschämt selbständig zugleich. Dem Pop-Mainstream einen Riesenschritt voraus, macht sie eine Musik, die uns an der Gurgel packt, auch wenn wir beim ersten Hören vielleicht zurückgeschreckt sind: "Was sind denn das für Beats?!"

Fragt man Björk nach Bpms, neuem Equipment oder danach, wie sie ihre Musik schreibt, antwortet sie mit so unergründlichen Gleichnissen, daß sie sich beim Versuch, sie zu entschlüsseln, in Luft auflösen wie eine Fata Morgana in der Wüste. Mit gerunzelter Stirn und mißbilligend hin und her fuchtelndem Zeigefinger reagiert sie auf Fragen nach Synthesizern, die Flöten und Violinen imitieren, und vergleicht die gefälschten Klänge mit den Plastikmöbeln auf den Rasenflächen des White Trash in amerikanischen Suburbs. Ironischerweise jedoch spielt die am 21. November 1965 in Reykjavik geborene Künstlerin ihre eigene Intelligenz ohne Zögern herunter. Was den Titel ihres neuen Albums angeht, gesteht sie: "Ich glaube, das Wort gibt es nicht, aber ich bin so blöd, daß ich dachte, es würde 'homogen' bedeuten. Als mir jemand sagte, es wäre Unsinn, dachte ich: 'Auch gut! Ich bleibe dabei.'"

BJÖRK: SOLO-DISKOGRAPHIE (AUSWAHL)

  • Gling Glo (Island-Import: One Little Indian), 1990
  • Debut (Polydor), 1993
  • Post (Polydor), 1995
  • Telegram -The Remix Album (Polydor), 1996
  • Homogenic (Polydor), 1997

Reprinted by permission from KEYBOARD, a GPI Publications publication. © 1997 Miller Freeman.
[Übersetzung/Bearbeitung: Albrecht Piltz]

Björk im Internet: http://huizen.dds.nl/~marcboon/bjorkroxy.htm

Der Mann an Björks Seite: mark bell über studio-sessions und live-konzept von "homogenic"

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