kronos quartett

 albrecht piltz

 

kronos quartet

"man erwartet von uns das unerwartete...": joan jeanrenaud über elvis presley, jimi hendrix, terry riley, steve reich und kronos' kicks in kronos-konzerten

Sie gelten als das derzeit avancierteste Streichquartett der Welt - und als das coolste sowieso: die Violinisten David Harrington, 47, und John Sherba, 41, der Violaspieler Hank Dutt, 43, und die Cellistin Joan Jeanrenaud, 40. Seit die 3 Virtuosen und die 1 Virtuosin Mitte 1978 zueinander fanden, bläst ein frischer Wind durch jene Musentempel, in denen in der Zeit ante Kronos steifbefrackte Herren und stolenbehängte Damen mit dem Streichen freudlos-seriöser Töne noch durchkamen.
Nicht, daß es den New Fab Four aus San Francisco an Ernsthaftigkeit mangelte: die Hingabe, mit der sich Harrington, Sherba, Dutt und Jeanrenaud jeder neuen Komposition widmen, grenzt an Besessenheit; das tägliche Trainingspensum von selten unter fünf Stunden wird auch auf ausgedehntesten Tourneen absolviert. Eine Arbeitsdisziplin, die nur scheinbar im Widerspruch zum lässigen Kronos-Outfit steht. Denn so un-klassisch wie seine bunte, bisweilen schrille Bühnengarderobe ist auch das Repertoire des Quartetts. Nicht nur "Klassiker" der E-Musik des 20. Jahrhunderts haben darin ihren Platz, sondern auch Titel aus dem Jazz-, Blues- und Rock-Fundus; Kompositionen von Thelonious Monk, Ornette Coleman, Willie Dixon, Jimi Hendrix und Frank Zappa stehen gleichberechtigt neben Piècen von Bartók und Schönberg, Charles Ives und John Cage, Philip Glass und Steve Reich. Und als Konzertzugabe servierte Kronos jahrelang ein schräges Medley aus Titelmelodien amerikanischer TV-Serien ("TV Madness"). Sowas darf man nicht, das rächt sich irgendwann? Irrtum.
Der undogmatische Kronos-approach hat sich, seit das Ensemble exklusiv für das New Yorker Avantgarde-Label Nonesuch aufnimmt, auch kommerziell ausgezahlt. Schon die ersten beiden Kronos-bei-Nonesuch-Alben, "Music by Sculthorpe, Sallinen, Glass, Nancarrow, Hendrix" (1986) und "White Man Sleeps" (1987), hielten sich fast ein Jahr in den Klassik-Charts des Branchenblatts "Billboard", und jede neue Kronos-Veröffentlichung schnellt mit schöner Regelmäßigkeit in die internationalen Top Ten. Selbst so sperriges Material wie das des aktuellen Albums "Howl, U.S.A." findet zielsicher sein Publikum.
Was wohl aber nicht zuletzt auch ein Verdienst eines gewissen Robert Hurwitz ist. Der heute 47-jährige Nonesuch-Chef, in einem früheren Leben als US-Repräsentant der Münchner Edel-Marke ECM tätig, hält seinem Star-Quartett - komme, was da wolle - den Rücken frei. Publiziert wird, was Kronos zur Publizierung freigibt; ins Kronos-Konzept reingeredet wird nicht. Woher solcher Mut? Joan Jeanreaud: "Erstens: er ist kein Buchhalter; er liebt Musik. Zweitens: ich glaube, es geht ihm nicht anders als unserem Publikum. Er liebt es, überrascht zu werden."
Die nächste Überraschung könnte Hurwitz schon bald ins Haus stehen. Denn wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, gilt das Interesse von Kronos-Gründer David Harrington seit neuestem auch Techno-Brettern made in Germany. Am selben Tag, an dem der Reporter anläßlich eines Kronos-Auftritts im "Kulturzeit"-Magazin des TV-Senders 3SAT Gelegenheit hatte, sich - exklusiv für KEYBOARDS - mit Joan Jeanrenaud zu unterhalten, wurde Harrington in einem Mainzer Mediamarkt beim Einkauf von Techno-CDs gesichtet.

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